Monthly Archives: February 2016

Gedanken zum Kulturbegriff

‘Kultur’ ist gerade wieder als wichtiges Gut in vieler Munde. Und daraus resultiert, dass es viele verschiedene Ideen gibt, was darunter zu verstehen ist. Nachdem ich nach dem ersten Kontakt mit dem Internet heute morgen eine ganze Weile innere Monologe zu dem Thema gehalten habe, habe ich beschlossen, meine Gedanken schriftlich festzuhalten, in der Hoffnung, die Monologe auf die Art und Weise aus dem Kopf zu bekommen.

‘Eine Kultur’ ist in meinen Augen eine Gruppe von Personen, die gemeinsame Werte und Vorstellungen teilen, oftmals vor dem Hintergrund ähnlicher oder gemeinsamer Erfahrungen. So einfach dieser Satz klingt, enthält er einige interessante Aspekte. Kulturen entwickeln sich, wenn, und vor allem solange, Menschen gemeinsame Erfahrungen machen. Eine Kultur ist ein lebendiges Wesen dass von denen gestaltet wird, die sich ihr zugehörig fühlen. Außerdem ist sie generell offen, denn die einzige Voraussetzung, um dazu zu gehören, besteht darin, ihre Werte und Vorstellungen zu teilen. Man muss keinen Aufnahmeantrag stellen, sondern kann einfach mitmachen, indem man mitmacht.

Darüber hinaus können Leute Teil mehrer (Sub) Kulturen sein. Ich bin Deutscher und mag meine Züge pünktlich und mein Kraut sauer. Gleichzeitig bin ich Ingenieur und fühle mich aufgrund geteilter Werte und Vorstellungen vielen meiner ausländischen Ingenieurskollegen kulturell näher, als einigen meiner Landsleute. Wir alle haben uns durch Mathematikvorlesungen gekämpft, das schweißt zusammen, egal ob die in Neu Delhi, Arhus oder Hamburg stattgefunden haben.

Kultur ist daher grundsätzlich integrativ, denn sie erlaubt uns, Menschen zu identifizieren, mit denen uns etwas verbindet. Gleichzeitig hat Kultur einen normativen Character und an dieser Stelle ist es schwierig, Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Ist jemand Punk, weil er Polizisten anpöbelt, oder tun Punks das als Ausdruck ihrer Kultur? Hierbei sollte es jedem frei stehen, wie viel von einer Kultur er annehmen möchte, um sich wohl zu fühlen. Nicht jeder Deutsche muss Sauerkraut mögen.

Kulturen unterscheiden sich und viele enthalten ein starkes Element der Abgrenzung. Weil das aber nicht bei allen Kulturen der Fall ist, halte ich das für kein zwingendes Merkmal. Wo Unterschiede existieren, liegt der Reflex der Bewertung nahe. Wenn überhaupt, und es ist zumindest gefährlich, das zu tun, sollten Kulturen anhand ihrer postulierten Werte verglichen werden. Eine Kultur, die sich auf die Abwertung anderer stützt, hat damit eine entscheidende Schwäche: Sie kann nicht aus sich selbst heraus existieren, denn sie benötigt ‘Die Anderen’ um sich selbst zu definieren. Sie bestimmt sich nicht durch innere Gemeinsamkeit sondern durch den Unterschied nach außen. Was es Mitgliedern solcher Gemeinschaften schwierig macht, sich in andere Kulturen zu integrieren, weil sie damit ihre Untershiedlichkeit aufgeben würden.

Solch ein Abgrenzungsverhalten ist tolerierbar und eigentlich harmlos, bedeutet es doch lediglich eine Selbstbeschränkung derer, die es an den Tag legen. Diese Leute sprechen nicht mit Außenstehenden und das ist in Ordnung. Bedenklich wird es, wenn sie doch mit anderen sprechen und dabei zu Imperativen und Parolen greifen. Und wenn neben Angst auch noch Gewalt Teil ihrer Kultur ist, wird es gefährlich. Diese fundamentalistischen Kulturen sind schwierig im Umgang, denn anders als offene Kulturen, die man annehmen kann und dann durch seine Teilnahme bereichert und verändert, verwehren sich fundamentalistische Kreise der Veränderung.

Solche Gruppen sind ein fester Bestandteil jeder gut funktionierenden Gesellschaft, die ihren Mitgliedern Meinungsfreiheit gewährt. Wenn diese Gruppen anfangen, die sie umgebende Gesellschaft in Frage zu stellen, ist die Gesellschaft gefordert, Antworten zu liefern. Oder zumindest Alternativen aufzuzeigen. Das ist anstrengend, besonders wenn man sich klar macht, dass die Gesellschaft aus Individuen besteht und man selbst eines davon ist. Nazis sind scheiße und die meisten von ihnen wissen das auch tief in ihrem Inneren. Die einzige Möglichkeit ihnen zu begenen, die ich sehe, ist ihnen klar zu machen, dass sie sich irgendwann dazu entschlossen haben sich dieser Kultur anzuschließen und dass es andere gibt, die mindestens genauso identitätsstiftend sind. Das ist anstrengend, wahrscheinlich frustrierend, möglicherweise gefährlich. Oder wir können die Klappe halten und überrascht tun, wenn die AfD in den Bundestag einzieht.

Der Turbo KOBO

Es gibt eine neue schlimme Idee. Mein eBook reader hat den Geist aufgegeben und ich habe die Gelegenheit genutzt, ein wenig Hardwarehacking zu betreiben. Die Geschichte endet in einem Cliffhanger, weil ich noch auf Teile warte, aber ich rechne damit, dass am Wochenende alles gut wird. Oder dass ich los muss, ein neues Gerät besorgen.

FOUR OCTAVES AT YOUR FINGERTIPS

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Disclaimer: This post is part of my application to Hackaday as freelance writer. In- depth coverage of the Nibbletronic can still be found on the project page.

[krkl] has been bitten by the MIDI wind controller bug. There has been a fair number of these on Hackaday but this one adds a new touch to the old trope. While this build is visibly influenced by traditional wind instruments as it uses a lot of brass and the “valves” are microswitches with levers, it deviates from the beaten path in an important way. After a first prototype that could be used to play ten notes (one per finger), [krkl] found that ten notes are not enough and gave the instrument an interface that allows one to play four full octaves, including semitones, with just six fingers. To achieve this, four fingers of the left hand are used to encode the notes of one octave as binary numbers and two fingers of the right hand select one of four octaves the same way.

Having sixteen numbers for the twelve notes of each octave left some wiggling room and so [krkl] decided to assign the whole tones to the even numbers and the next semitone to the following odd number. This leaves the player with only eight distinct finger placements to memorize, because sharp notes are played by simply adding the pinky, which plays the least significant bit.

The project page has some more details on the interpretation of the pressure data and explains the possibilities of the remaining buttons. It also provides insight into the ongoing development and a preview of the next iteration of the instrument.

Vor Anker

Olav Svensson, mit 28 Jahren der Kapitän des Plattformversorgungsschiffs “OSV Nadia Helmsdottir”, steht auf der Brücke und hält Wache. Sie liegen in einem vollgeparkten Ölfeld vor Anker, was bedeutet, dass es nicht viel zu tun gibt, außer ein Auge auf die Bewegungen des Schiffs, seine Bordsysteme und den Wetterbericht zu halten, aber Olav genießt die Ruhe als seine Tochter Ænne auf der Suche nach Gesellschaft die Brücke entert.

“He, Liebes, was machst du so?” Ihr grelloranges Kleidchen lässt sie ein wenig wie ein Roughneck, einen Plattformarbeiter, aussehen. “Mir ist langweilig, Papa.” antwortet sie und Olav hebt sie auf einen Stuhl. “Hier, du kannst auf das Radar aufpassen.” Er schaut ihr lächelnd zu, wie sie an den Knöpfen dreht und auf dem Schirm herumtappt. Er ist erfreut darüber, wie gut Ænne sich ins Bordleben eingefunden hat. Als die Offshoreindustrie vor die Hunde ging, hatte er ein Leben an Land in Betracht gezogen, aber nur kurz. Bald darauf hat Ænne genug vom Radar und wendet sich fragend an ihren Vater: “Wo ist Mami?”

“Oh Shit.” denkt sich Olav. Diese Frage sollte keine schwierige Antwort haben. “Achte auf das Radar, Süße.” erwidert er, um Zeit zu schinden. Olav erinnert sich, was ihn damals davon abgehalten hatte, nach Hause zurück zu kehren. Obwohl Skandinavien, mit seiner Grundversorgung durch erneuerbare Energiequellen und seiner genügsamen Bevölkerung, die an widrige Lebensumstände gewöhnt war, mit dem veränderten Klima gut zurecht kam, hatte die skandinavische Gesellschaft sich verändert. Heutzutage nennen sie es allen Ernstes ‘Walhalla’ und haben sich vom Rest der Welt abgeschnitten. Norwegen hat in seiner Kalter- Krieg Haltung verharrt und Finnland hat die östlichen Grenzen abgeriegelt. Sie scheinen dort regelrecht Spaß an ihren zweiten Winterkrieg zu haben. Im Süden hat der steigende Meeresspiegel Dänemark in ein unpassierbares Marschland verwandelt.

“Wo ist sie?” hakt Ænne nach. Ihr Haar ähnelt dem von Olavs Maschinisten Kobus. “Sekunde, Liebes, das ist schwierig.” versucht Olav sie hinzuhalten, währen er weiter über seine Antwort nachdenkt. Kobus stammt aus Groningen und als niederländischer Ingenieur ist er in den neuen Küstengregionen Europas heiß begehrt. Als Olav Kobus gefragt hatte, ob er an Land gehen wolle, hatte der Niederländer geantwortet: “Scheiß auf diese Leute, die sind schlimmer als die Nazis.” Und in der Tat, als Mitteleuropa zwischen dem steigenden Meer im Norden und den sich ausbreitenden Wüsten im Süden eingzwängt wurde, hatte es sich von seinen vielgerühmten Werten verabschiedet. Sie haben um sich gebissen wie ein in die Enge getriebenes Tier und es als Verteidigungsfall bezeichnet, als sie verhungernde Flüchtlinge an ihren Grenzen abgeschlachtet und ersäuft haben. Kobus hingegen ist seitdem zu einem der wichtigsten Männer an Bord geworden. Sein Space Bucket, mit dem er im Maschinenraum Gras gezogen hatte, war die Blaupause für das hydroponische Gewächshaus, das inzwischen ihr Frachtdeck ausfüllt. Dort werden größtenteils Kartoffeln angebaut, aber natürlich wächst da draußen auch noch etwas ‘Kobus Spezial’. Ænne hüpft von ihrem Stuhl und zupft ihren Vater am Ärmel. “Ach ja, Mami. Weißt du…” Und er hat immer noch keine Ahnung, wo er anfangen soll.

Die aufgegebenen Bohrplattformen des Feldes sind jetzt die Heimat von Inuit und einigen unverbesserlichen Roughnecks. Die Roughnecks sind harte Jungs, aber die Inuit sind die wahren Überlebenden hier draußen. Olav erinnert sich an Geschichten vom Leben auf dem schmelzenden Eis, wie die alte Ukiuk sie ihm erzählt hat. Wie ihre Welt buchstäblich auseinander fiel, denn Inuittechnologie besteht oft darin, Dinge durch einfrieren zusammenzufügen und das funktioniert im milderen Klima nicht mehr. Und davon, wie sich alles veränderte, als das Eis schrumpfte. Das sogenannte ‘ewige Eis’ ist von vornherein ein sehr karges Ökosystem in dem außer Krill nichts in großer Zahl lebt. Wenn man jetzt große Raubtiere wie Walrösser und Eisbären dazu nimmt, wird Enge zu einem lebensbedrohlichen Problem. Die Inuit haben ‘den Platz des Menschen in der Nahrungskette überdenken müssen’, wie Ukiuk sich auszudrücken pflegt. Viele ihrer Leute tragen immer noch ständig eine Waffe. Diese herausragenden Seeleute fürchten jetzt das Meer.

“Wir haben unsere Heimat verloren und bauen jetzt die Welt neu, ein schwimmender Kartoffelhof nach der anderen.” denkt sich Olav, während er seine wartende Tochter anschaut. “Für dich, Kleines.” Er lächelt. Kartoffeln sind gut, aber für eine Zukunft benötigt man Kinder. Und während Seeleute und Roughnecks die allererste Wahl sind, wenn es darum geht, etwas aus dem Nichts aufzubauen, sind sie gleichzeig vorwiegend männlich. Zu Beginn wussten sie nichts damit anzufangen, als das Forschungsschiff Healy zwischen ihnen Anker warf. Und als die an Bord befindlichen Meersbiologen ihren Plan formulierten, aus menschlichen Stammzellen Gebärmuttern zu züchten, begriff keiner der Bewohner des Ölfelds, worauf das hinauslaufen würde. Bis die Wissenschaftler anfingen, sich unter den Roughnecks und Seeleuten auf die Suche nach Wirtskörpern für die Gebärmuttern zu machen. Wäre es nicht um ihr Überleben gegangen, wäre die Situation komisch gewesen. Eingentlich ist es sogar sehr komisch gewesen, wie die versammelten Männer die Ankündigung vernahmen und alle plötzlich irgendetwas hochinteressantes am Boden oder über ihren Köpfen entdeckten.

Dr. Schwarze hat einfach fortgefahren und erläutert, wie sie moderne Klonverfahren und Genspleißung benutzen würden, um das Beste aus dem spärlichen Genpool zu machen, und das jedes Kind auf diese Weise bis zu einem Dutzend genetischer Eltern haben würde. An dieser Stelle hatte Olav den Entschluss gefasst vorzutreten und zu erklären: “Ich werde eine Mutter.” Kobus und viele weitere aus seiner Mannschaft folgten seinem Beispiel, dann einige der Roughnecks. Das ist jetzt vor vier Jahren gewesen und heute werden ihre Kinder als Kinder des Stammes betrachtet, die meisten haben kleine Geschwister und es gibt an Bord der Healy eine Schule. “Jemand sollte dort den Sexualkundeunterricht auf den neuesten Stand bringen.”, denkt sich Olav

“Weißt du, ich bin deine Mami. Und Dr. Schwarze in gewisser Weise. Und…” Ænne fällt ihm ins Wort, bevor Olav ihr aufzählen kann, wessen Gene sie trägt. “Du bist lustig! Kann ich mit Uki spielen?”

“Natürlich, Liebes, lauf zu Uki.” Scheinbar ist es am Ende doch gar nicht so schwierig.