Verzweifelte Maßnahmen

Redaktionelle Anmerkung: Der folgende Text ist ein Fragment, das gerade chronologisch nicht in die Handlung passt, mir aber seit zwei Tagen im Kopf herumspukt.

Taktische Besprechung in Björns Kabine. Er schlägt vor, dass wir meine Schwester Hekate in einer Kiste verstecken, die wir der Opposition unterjubeln. Die alte Trojanernummer. Er will meine Meinung hören. Ich versuche, diplomatisch zu sein.

“Gequirlte Scheiße. Im Ernst, wir packen Kate nicht in eine Kiste. Natürlich hast du Recht, in Ruhe und mit Blutdoping hält sie locker zwei Stunden da drin durch. Mit einem diskreten Luftloch länger, wenn wir uns darauf verlassen können, dass die keine CO2 Sensoren haben. Und es stimmt, sie könnte es mit einer beträchtlichen Zahl Wachen aufnehmen, sie ist immerhin meine Schwester und ich trainiere mit ihr. Ich denke sogar, dass sie einen taktischen Vorteil hätte, wenn die Opposition erkennt, auf wen sie da schießen. Sie ist unsere stärkste Kämpferin, ich könnte mir niemad besseren für den Job vorstellen und sie ist die einzige, die in die Kiste passt.”

Ich muß wohl aufgestanden sein, wende mich wieder Bernd zu:

“Aber weißt du, was sie auch ist? Eine verdammte Zwölfjährige!”

Er zieht die linke Augenbraue hoch. Ich gestikuliere.

“Ja, die haben uns bei den Eiern und es ist ernst. Und ja, wir sind Söldner und manchmal Piraten. Aber wir sind keine Scheißdritteweltarmee, die Kinder verheizt! Sind wir nicht! Wenn wir diese Scheiße durchziehen, verlieren wir, egal wie die Aktion ausgeht. Diese Nummer würde uns als Schwarm kaputter machen, als die es je könnten.”

Ich zeige mit ausgetrecktem Arm Richtung Land. Er schaut seinen Schreibtisch an.

“Erwähn’ so einen Plan nie wieder, oder Kate geht von Bord. Und ich mit ihr.”

Er wischt sich über sein Gesicht, schaut müde zu mir auf, die Hand am Kinn. Dann starrt er den Horizont jenseits der Außenwand an. Gefühlt eine Minute lang. Er wendet sich wieder mir zu:

“Du hast Recht Kleiner, der Plan ist Scheiße, sowas machen wir nicht. Keine gute Idee.”

Stille, langes Ausatmen. “Ich sollte segeln gehen.”

Er steht auf.

“Du übernimmst hier für mich.” Und er nimmt seinen Seesack aus dem Spind. Am Schott dreht er sich um, den rechten Zeigefinger erhoben:

“Und wenn ich wiederkomme, hast du die Sache mit Sal geklärt.”

Der Zeigefinger ist jetzt auf mich gerichtet.

“Die… Sache… mit… Sal. Was meinst du? Was ist mit ihr?” Und ich habe wirklich keine Ahnung, was er meinen könnte.

“Du und Sal, Kleiner. Jeder an Bord weiß, was ihr füreinander empfindet. Und ich weiß, dass du nur nicht aus dem Tran kommst, weil du ihr die Angst und Sorgen ersparen willst, wenn du raus gehst.”

Volltreffer. Aber er ist noch nicht fertig:

“Und jetzt sag’ ich dir: Deine Strategie geht nicht auf. Sal verzehrt sich auch jetzt vor Sorge um dich. Und du bist unglücklich. Sieh zu, dass du das in den Griff kriegst.”

Und er ist draußen, auf dem Weg zum Welldeck, wo sein Boot liegt. Ich setze mich an den Schreibtisch. Die Lage ist ernst und mein Admiral geht segeln. Ich sollte mit Sal sprechen.

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